Zwillingsschwangerschaften treten mit einer Wahrscheinlichkeit von ungefähr eins zu 85 auf. Davon sind 30 % eineiig und 70 % zweieiig.

 

Zweieiige Zwillingsschwangerschaften

Zweieiige Zwillingsschwangerschaften entstehen durch die Befruchtung von zwei verschiedenen Eizellen.
Bestimmte Hormonkonstellationen der Mutter, acht Tage um den Eisprung herum, scheinen eine maßgebliche Rolle für das Heranreifen von zwei Eizellen zu spielen. Alle zweieiigen Zwillingsschwangerschaften sind dichorial und diamnial, das heißt jeder Embryo hat seine eigene Plazenta (Mutterkuchen) und eine eigene Chorion- und Amnionhülle (Fruchthülle). Das Chorion bezeichnet die äußere Schicht um die Fruchthülle, in dem sich der Embryo befindet. An der Stelle, an der es mit der Gebärmutter der Mutter verschmilzt, bildet es den kindlichen Anteil der Plazenta. Die entstehenden Kinder haben kein identisches Erbgut. Ihre Ähnlichkeit entspricht der von Geschwistern. Sie können gleichgeschlechtlich oder andersgeschlechtlich sein.

Die Häufigkeit von zweieiigen Zwillingen variiert sehr stark, sie ist auch abhängig von der Bevölkerungsgruppe. So liegt die Häufigkeit bei orientalischen Völkern bei lediglich 3 pro Tausend, bei Kaukasiern bei 8 pro Tausend und bei der Afrikanischen Bevölkerung bei 16 pro Tausend Schwangerschaften.
Mit zunehmendem Lebensalter der Mutter besteht eine größere Wahrscheinlichkeit zweieiige Zwillinge zu bekommen.
Außerdem gibt es eine genetische Veranlagung zur zweieiigen Zwillingsschwangerschaft: Paare mit Zwillingen in der Familie der Frau, haben ein mehr als dreifach erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine erneute Zwillingsschwangerschaft.
Die moderne Reproduktionsmedizin sorgt mit Ovulationsinduktion und in vitro-Fertilisation vor allem in den Industrieländern für eine höhere Zahl an Zwillingsschwangerschaften.

 


 

Eineiige Zwillingsschwangerschaften

Die Häufigkeit von eineiigen Zwillingen ist auf der ganzen Welt mit 3,5 pro tausend Schwangerschaften ungefähr konstant.
Eineiige Zwillinge entstehen durch eine Teilung eines Embryos innerhalb von vierzehn Tagen nach der Befruchtung. Beide Hälften tragen das gleiche Erbgut und haben daher das gleiche Geschlecht. Körperliche Unterschiede zwischen eineiigen Zwillingen resultieren entweder aus Umweltfaktoren oder sind epigenetischer Natur.
Epigenetik bezeichnet biochemische Modifikationen von einzelnen DNA-Abschnitten, deren Gene dadurch in ihrer Aktivität verstärkt oder abgeschwächt werden. Das Erbgut ändert sich dabei aber nicht.

Der Zeitpunkt der Teilung bestimmt die Chorion- und Amnionverhältnisse.
In 18 % bis 36 % der Fälle findet die Teilung bis zu 5 Tage nach der Befruchtung statt. Aus dieser frühen Teilung gehen dichoriale, diamniale Zwillinge hervor. D. h., wie bei den zweieiigen Zwillingen, hat auch hier jeder Embryo seine eigene Plazenta und eine eigene Chorion- und Amnionhülle.
In 60 % bis 70 % der Fälle findet die Teilung fünf bis sieben Tage nach der Befruchtung statt. Die resultierenden Embryonen sind monochorial und diamnial, d.h. sie teilen sich eine Plazenta und eine Chorionhöhle, haben aber getrennte Amnionhöhlen. In seltenen Fällen (1 %) erfolgt die Teilung erst acht Tage nach der Befruchtung, die entstehenden Embryonen sind monochorial und monoamnial, d.h., die Embryonen teilen sich eine Chorion- und sogar eine Amnionhöhle.

Einen Sonderfall der eineiigen Zwillinge stellen die siamesischen Zwillinge dar. Sie treten mit einer Häufigkeit von eins zu 400 eineiigen Zwillingspaaren auf, die Zahl variiert allerdings je nach geographischer Region. Siamesische Zwillinge sind monochoriale und monoamniale Zwillinge. Sie teilen sich Amnion- und Chorionhöhle und sind an unterschiedlichen Stellen ihres Körpers miteinander verbunden. Siamesische Zwillinge entstehen durch fehlerhafte und späte Teilung (nach dem 14. Tag postkonzeptionell) einer befruchteten Eizelle.

Die oben genannten Chorion- und Amnionverhältnisse sind von großer Bedeutung, da sie für die ungeborenen Kinder unterschiedliche Risiken birgen.
Deshalb sollten bei einer Zwillingsschwangerschaft möglichst bis zur 14. SSW die Chorion-und Amnionverhältnisse durch Ultraschall festgestellt werden.
Bei der sonographischen Untersuchung weisen zwei separate Plazenten auf dichoriale Zwillinge hin, eine einzelne Plazentamasse mit einer nur dünnen Membran zwischen den beiden Feten auf monochoriale, diamniale Zwillinge und ein Fehlen der Membran zwischen den Feten weist auf monochoriale, monoamniale Zwillinge hin. Dabei muss beachtet werden, dass dichoriale Plazenten auch verschmolzen sein können, so dass letztlich vor allem die Membran zwischen den Feten begutachtet werden muss.

 

(c) Dr. Pauline Volz